Manufaktur Tollu

Tulga Tollu (rechts) mit Ehefrau Feodora beim Entwerfen in ihrem Atelier in IstanbulTeppiche aus der Manufaktur Tollu werden nach Entwürfen des Istanbuler Architekten Tulga Tollu (1934–8.10.2013) und seiner aus Deutschland stammenden Ehefrau, Feodora Tollu, hergestellt.

Tulga und Feodora Tollu gelten als Pioniere des Naturfärbens von Teppichen, ihre Teppiche als moderne Klassiker der Knüpfkunst.

Als Kunst- und Teppichsammler erkannten sie in den 1970er Jahren, dass antike Teppiche im Vergleich zu neuen Teppichen wärmere Farben und ein harmonischeres Kolorit hatten, und dass dies in erster Linie der Verwendung natürlicher, aus Pflanzen und Mineralien gewonnener Farbstoffe zuzuschreiben war, während neue Teppiche synthetisch gefärbt wurden. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, die alte Kunst des Naturfärbens wieder aufleben zu lassen und mit der Erzeugung natürlich gefärbter Teppichen zu beginnen. Sie befassten sich mehrere Jahre lang intensiv mit den alten Färbetechniken und brachten schließlich 1975 den ersten, pflanzlich gefärbten Tollu-Teppich auf den Markt.

Zusammen mit weiteren innovativen Persönlichkeiten wie Dr. Böhmer und Zollanvari, die einige Jahre später in der Türkei bzw. im Iran ebenfalls mit der Herstellung pflanzlich gefärbter Teppiche begannen, lösten Tulga und Feodora Tollu einen Trend zurück zu den handwerklichen Wurzeln und zurück zur Natur aus, der in der Teppichindustrie bis heute anhält.

Die heute von ehemaligen Mitarbeitern weitergeführte Manufaktur färbt seit mehr als vierzig Jahren auf natürliche Art und beherrscht diese Kunst wie niemand sonst. Das Ergebnis sind Garne von unübertroffener Farbkraft, die nach Fair-Trade-Prinzipien in dörflicher Heimarbeit im Hochland von Bergama zu Teppichen von zeitloser Schönheit zusammengeführt werden.

Die Entwürfe von Tulga und Feodora Tollu strahlen eine besondere Ruhe und Zeitlosigkeit aus. Dies liegt zum einen an der künstlerischen Sicherheit, mit der die Designer bewährte Gestaltungsprinzipien mit neuen Elementen verbanden. So sind die meisten Tollu-Teppiche symmetrisch gemustert, mit Bordüren versehen und alles in allem durchkomponiert, wobei auf Zahlenrelationen besondere Rücksicht genommen wird. Sie entsprechen in dieser Hinsicht dem seit dreitausend Jahren unveränderten und bewährten Grundschema orientalischer Teppichmuster. Der für traditionelle Teppiche typische horror vacui, also die Angst vor der leeren Fläche, ist in Tollu-Teppichen hingegen nicht zu finden. Mit reduzierter Musterung und großen einfärbigen Flächen begegnen sie dem Bedürfnis des modernen Menschen nach Schlichtheit und Übersichtlichkeit.

Herstellung eines Tollu-Teppichs

Bach im Hochland von Bergama

Die Teppiche werden in der Westtürkei nahe dem antiken Bergama erzeugt. Die für den Flor verwendete, handversponnene Hochlandschaf- und Angorawolle (Haar der Angora-Ziege) stammt aus der Region und wird im ersten Schritt im klaren Hochlandwasser gewaschen.

Krappwurzeln zum Rot-Färben

Zum Färben werden ausschließlich natürliche Farbstoffe wie Tabakblätter, Ginster und Krappwurzeln (Foto) sowie Indigo – ein natur-identer Farbstoff zum Blaufärben – verwendet.

Tulga Tollu mit seinem Färbermeister beim Inspizieren blau gefärbter Wolle

In der Tollu-Färberei wird seit mehr als vierzig Jahren mit natürlichen Farbstoffen gefärbt.

Rot gefärbte Wolle beim Trocknen

Nach dem Färben muss die Wolle getrocknet werden.

Der »Kettfäden«-Meister der Manufaktur TolluDer »Kettfäden-Meister« beim Aufspannen der Kettfäden um Kett- und Warenbaum des Knüpfstuhls

Vorbereiten des Knüpfstuhls: Aufspannen der Kettfäden (100 % Schafschurwolle) um Kett- und Zeugbaum (Warenbaum). Dieses Grundgerüst wird danach – um 90 % gedreht – am Knüpfstuhl angebracht.

Die Knüpferin sitz vor dem Knüpfstuhl. Sie blickt in die Kamera und hat ein Messer zum Abschneiden der Knoten in der rechten Hand.

Beim Knüpfen wird ein Knoten um jeweils zwei Kettfäden geschlungen. Die Summe aller Knoten bildet den Flor des Teppichs.

Fünf Knüpferinnen sitzen vor dem Knüpfstuhl und lächeln in die Kamera

Je breiter der Teppich, desto mehr Knüpferinnen arbeiten gleichzeitig an einem Teppich (das Foto zeigt die Herstellung einer vier Meter breiten Maßanfertigung für das Benediktinerstift Admont in der Steiermark).

Vier Knüpferinnen stehen lächelnd und Arm in Arm auf einer Terrasse

Die jüngsten Knüpferinnen sind zwischen fünfzehn und sechszehn Jahre alt und in diesem Alter in der Regel bereits verlobt. Außer sehr große Formate werden alle Tollu-Teppiche im Hausfleiß erzeugt, also auf Knüpfstühlen, die im eigenen Haus der Knüpferinnen stehen.

Knüpferin mit ihrem Ehemann, der seinen Arm um ihre Schulter legt